Am Ende geht's los

Zwischenzeitlich hört es sich an wie alte Soulklassiker, manchmal wie mondäner RnB, Coole-Jungs-Rap oder wie Musik aus einem vorbeifahrenden Benz, wenn der Druck vor dem Ton kommt. Beispielhaft für den Sound, den Wesley Joseph für sein Debütalbum "Forever ends someday" kreiert hat, steht der Track "If time could talk". Schwer tanzbare Sounds und Lyrics, die nahezu ohne Refrain auskommen, unterstützt von messerscharfem Rap. Alles begleitet von elektronischem Sound, der aus der Vergangenheit zu kommen scheint, als Pop und Electro sich begannen anzufreunden.
Für das neue Album hat sich Wesley offenbar vorgenommen, alternative Musik zu schaffen und das tatsächlich auch hinbekommen. Schließlich hat's auch drei Jahre gedauert, bis "Forever ends someday" fertig war. Die ersten beiden EPs von Joseph haben durchaus Aufmerksamkeit erregt und manch einer hätte daraufhin die Produktion eines Debütalbums beschleunigt. Schmieden solang das Eisen heiß ist. Nicht so der Mann aus den englischen Midwests.
in Ruhe entstand das erste Album und es macht den Eindruck, dass es sich gelohnt hat. 13 rundum extravagante Tracks, die auch visuell in den dazugehörigen Clips ansprechend umgesetzt werden. "Forever ends someday" erscheint am 10. April via Secretly Canadian.

wesley-joseph.com

Schöne Kunst

modhaIch glaube, es ist verdammt schwer schöne Musik zu machen. Eine gefährliche Gratwanderung zwischen Anspruch und Belanglosigkeit. Modha scheinen das aber in erstaunlicher Lässigkeit zu bewältigen.
Das Berliner Duo schwebt geradezu zwischen Jazz, Soul und Electro. Damit überraschten sie vor zwei Jahren auf ihrem Debüt "Through the cycle".
Jetzt schieben Dhanya Langer und Maximilian Scholl das zweite Album nach. Es heißt "At your pace" und erscheint morgen bei der sehr guten Berliner Adresse Sonar Kollektiv. Acht wahnsinnig schöne Tracks mit hervorragenden Gastbeiträgen (u.a. okcandice und Allysha Joy).
"At your pace" ist große Kunst, die man als solche durchdenken kann, aber auch mal ganz schnöde bei einer langweiligen Busfahrt genießen kann.

modha.bandcamp.com/music

Foto: Nils Hansen

Natürliches Schnäuzerhabitat

Seit selbst Moderatoren des Aktuellen Sportstudios im ZDF Schnäuzer tragen, hat die erst kürzlich auferstandene Coolness der Rotzbremse einen kleinen Tacken an Lässigkeit eingebüßt. Wer seinen Schnäuzer spazieren führen möchte, dorthin wo er sich zuhaus fühlt, sollte am 28. Mai ins Doornrosje nach Nijmegen fahren. Dort spielt an diesem Abend Another Taste. Die holländische Combo wird zu diesem Zeitpunkt das zweite Album veröffenlicht haben mit dem eindeutigen Titel "Another taste II".
Das Album kommt am 24. April via Space Grape und scheint den 70ern entflohen. Funk, Soul, Boogie in Überdosis bis die Discokugeln brennen. Feiern, trinken, tanzen. Der Opener "Party life" oder "Run into love" sind ein zwingendes Erfordernis für eure nächste Hausparty.
Für den 24. April also Boxen entstauben, schön frisieren unter der Nase und abfeiern!

another-taste.com/

 

Rauchen und fliegen

Heute endlich mal wieder im T-Shirt auf dem Balkon gestanden und geraucht. Zu diesem großartigen Gefühl passen die Dirty Heads ganz wunderbar.
Die Kalifornier produzieren seit mehr als 25 Jahren diesen entspannt-karibischen Sound, denn Winter kennen die gar nicht. Jetzt ist die neue Single "Seven seas" draußen und knüpft organisch an die letzten 25 Jahre an.
"Seven seas" hat frappierende Ähnlichkeit mit Protojes "Big 45". Das sind natürlich verdammt große Schuhe, in denen die Dirty Heads da laufen. Die Jungs haben zwar ein Händchen für groovende Songs, aber Großmeister Protoje ist wahrlich nicht ihre Kragenweite.
Also besser aufpassen und als musikalischer Schuster schön bei seinen Leisten bleiben. Da sind Dirty Heads gut aufgehoben und können uns weiterhin mit sonnigen Sounds erfreuen.

dirtyheads.com

 

Wachs in Adrians Händen

"In a space outta sound" hat sich nach der Veröffentlichung 2006 rasch zu einem ikonischen Album entwickelt. Auch für viele Boomer, die sich damals so etwa zwischen 30 und 40 bewegten und damit noch nicht in dem Alter, in dem man nur noch auf alte Helden schwört.
Was Nightmares on Wax damals in die Welt setzten, war am Puls der Zeit und jeder kannte es. Die meisten jedoch, ohne wirklich zu wissen, wo es herkam. Tracks wie "You wish" und "Flip ya lid" hat man schlicht irgendwann irgendwo gehört. Die geschmeidige Mischung aus Soul, Jazz, HipHop mit ein wenig Reggae und karibischen Sounds setzte sich im Gedächtnis einer Generation fest.
Zum 20. Geburtstag des Albums haben Nightmares on Wax die ursprünglichen Bänder des Albums an Adrian Sherwood weiter gereicht. Der Chef vom legendären On-U-Sound Label hat unzähligen Reggae-Alben den letzten Schliff verpasst und auch Größen wie Lee "Scratch" Perry auf die Sprünge geholfen, wenn's nötig war.
Sherwood hat sich acht Tracks der ursprünglich 12 des Originalalbums vorgeknöpft und daraus "In a space outta Dub" gemacht. Mit mehr Bass, Hall, Echo und neuen Overdubs hat der Meister am Mischpult das Album vielleicht nicht besser gemacht, aber um eine interessante Facette bereichert.
Ab Anfang April gibt es das Originalalbum plus die Dubversionen von Sherwood zum Geburtstag in einem schönen Vinylpackage. Mit neuem Design, leuchtenden Platten und einem Stickerbogen. Nicht geschenkt, sondern für 130 Euro. Da müssen wohl die Boomer herhalten, damit sie neben Rentenproblemen, Ökokatastrophen und Steuertricks nicht auch noch an schlechten Verkaufszahlen schuld sind.

nightmaresonwax.warp.net

 

Von dieser Welt

shabakaIn den Jazzkreisen ist er längst bekannt. Der Londoner Flötist und Saxophonist hat mit seinem Spiel maßgeblich zum Erfolg der Sons of Kemet beigetragen. Nun hat Shabaka sich weitergebildet und bestreitet seine Solokarriere als Multiinstrumentalist und Produzent.
Man ordnet Shabaka meist dem Ambiet Jazz oder dem Spiritual Jazz zu. Hört man das neue Album "Of the earth" findet man dafür Argumente. Der Mann kombiniert Jazz und Rap, Jazz und Ethnosounds, Jazz und Elektronik. Beats und sich wiederholende rhythmische Strukturen bilden die Grundlage für ausladende Chor-Melodien, die hauptsächlich auf der Altflöte und dem Saxophon gespielt werden.
Eher keine Musik für das Grillfest mit den Nachbarn. Aber die Nachbarn wissen gar nicht, was sie verpassen. Musik von dieser ganzen Welt: Traditionell, avantgardistisch, die Basis und der Hochpunkt, genrebefreit und absichtsvoll.
"Of the earth" erscheint am 6. März bei Shabaka Records für alle, die 08/15 nicht zusammenzählen wollen.

shabaka.bandcamp.com

Foto: Joseph Ouechen